Archiv der Kategorie: Aktuelles aus der Berufspolitik

BVKJ-Präsident Fischbach im Interview

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach, äußert sich im änd-Interview zum Kinderarztmangel, untauglichen Maßnahmen im TSVG und der besten Datenschutzmethode.

Beschwert sich, dass die Politik zu spät handelt: Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.
©BVKJ

Herr Dr. Fischbach, die SPD in Schleswig-Holstein hat vor Engpässen bei der medizinischen Versorgung mit Kinder- und Jugendärzten gewarnt. Besonders betroffen seien kinderreiche Stadtteile und ländliche Regionen. Obwohl rechnerisch genügend Kinderärzte vorhanden sind, finden viele Eltern keinen Platz für ihre Kinder. Kennen Sie das Problem?

Ja, das Problem ist auch schon länger bekannt. Es gilt übrigens auch für Städte wie Berlin. Wir sind damit auch schon vor längere Zeit an entsprechenden Fachpolitiker herangetreten. Das hat aber leider bislang wenig geändert.

Und was ist der zentrale Auslöser?

Wir sind einfach zu wenige – und wir sind zu alt. Wir haben in der ambulanten Versorgung ein Durchschnittsalter von 55 Jahren. In den nächsten zehn Jahren wird etwa ein Drittel der niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner in den Ruhestand gehen – oder zumindest das Ruhestandsalter erreichen. Den Mangel verstärkt, dass der Nachwuchs überwiegend weiblich ist. Aber auch die Männer wollen nicht mehr so wie die Babyboomer schuften. Beides legt einen anderen Fokus auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als es bisher der Fall war. Das begrüßen wir, aber es bedeutet einfach, dass die Lebensarbeitszeit um etwa ein Drittel abnimmt. Die leicht gestiegenen Abschlusszahlen bei den Facharztanerkennungen im Bereich Kinder- und Jugendmedizin kompensieren das bei Weitem nicht. Die Politik macht aber immer wieder den Fehler, dass sie nur Köpfe zählt, also schaut, wie viele Menschen den Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin machen und nicht die Lebensarbeitszeit im Blick hat.

Das TSVG hebt die Zulassungsbeschränkung für Kinder- und Jugendärzte auf. Das soll dem Mangel bekämpfen – wenn man Sie nun hört, eine sinnlose Maßnahme?

Klar, das Erste was einem jetzt in den Sinn kommt: Was soll das, wenn es die eh nicht gibt? So schnell können wir keine neuen Kinder- und Jugendärzte backen. Das dauert mit Studium und fünf Jahren Facharztweiterbildung. Wer soll die zusätzlichen Plätze belegen?

Was glauben Sie?

Wir haben die große Sorge, dass die Krankenhäuser einfach Pädiatersitze in ihren MVZs einrichten, sich also noch weiter in die ambulante Versorgung hereindrücken und die freiberufliche pädiatrische Facharztpraxis verdrängen.

Warum wäre das ein Problem?

Bislang steht im Gesetz, dass die Zulassungsbeschränkung ausgesetzt wird. Irgendwann wird es durch den G-BA eine neue Richtlinie geben. Wie die genau aussieht, wissen wir nicht. Gibt es dann wieder eine Bedarfsplanung? Wird sie kleinräumiger? Letztlich ist es auch egal, weil all das, was in dem Gesetz steht, das Grundproblem nicht löst: Wir haben zu wenig Kolleginnen und Kollegen.

Ist also der Mangel an Ärzten der einzige Auslöser für das Problem?

Schauen Sie sich die Situation an den Schulen oder maroden Brücken an. Die Politik scheint von den Problemen überrascht, auch wenn seit Jahren davor gewarnt wurde. Das stört uns. Sie arbeitet nicht vorausschauend, sondern kümmert sich erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Auf unsere personelle Enge haben wir schon vor mindestens zehn Jahren hingewiesen, vermutlich früher. Auch beim jeweiligen Gesundheitsminister.

Das TSVG kommt also zu spät?

Es ist doch noch viel schlimmer. Jetzt wird versucht – und diesen Tenor atmet ja das ganze Gesetz – all diejenigen, die jetzt noch arbeiten, weiter auszupressen, in dem man ihnen längere Präsenzzeiten verordnet. Mal abgesehen davon, dass praktisch jeder Arzt mit Kassensitz sowieso deutlich mehr als diese 25 Stunden arbeitet – auch wenn man all die bürokratischen Aufgaben abzieht. Von daher hätte es dieser Regelung gar nicht bedurft.

Was ist dann Ihr Problem damit?

Es ist ein Problem der Gängelung wie etwa die Vorgabe, wir sollen jetzt freie Sprechstunden anbieten. Wir betrachten das mit Sorgen. Auch hören wir jetzt immer häufiger von älteren Kollegen: „Wisst ihr was, wenn das so weitergeht, dann höre ich einfach auf!“ Es ist eine Respektlosigkeit seitens der Politik!

Sie empfinden die Vorgaben im TSVG als Beleidigung?

Ja, das ist despektierlich. Auch wenn bei der Anhörung zum TSVG seitens des BMG zurückgerudert wurde – so sei das ja gar nicht gemeint gewesen – dann sage ich: Aber genau so ist es rübergekommen. Wenn Sie in Zeitungen die Berichte zu dem Thema nachlesen, dann klingt es, als würden wir nur 20 Stunden in der Woche arbeiten und der Minister müsste jetzt kommen, um die faule Ärzteschaft mal gehörig auf Trab zu bringen. Das ist zwischen den Zeilen zu lesen. Dem widersprechen wir natürlich vehement.

Sie halten das TSVG also für vollkommen verfehlt?

Die Maßnahmen darin sind überwiegend untauglich. Es ändert nichts an unserem eigentlichen Problem. Was wir brauchen ist eine vernünftige Umsetzung des Masterplans 2020 und die kommt nicht zustande, weil sie im Interessengestrüpp der Länder hängenbleiben.

Und wenn die Verantwortlichen ihn umsetzen, wird dann alles gut?

Wenn wir dann endlich wieder ausreichend medizinischen Nachwuchs ausbilden, müssen wir gucken, wie viele davon noch in der direkten Patientenversorgung ankommen. Viele frisch Approbierte gehen zum MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung, Anmerkung der Redaktion), zu Krankenkassen oder in die Pharmaindustrie. Zurzeit würde ich von Zahlen um die 30 Prozent ausgehen, die wir so verlieren. Da müssen wir uns fragen, warum das geschieht! Mit mehr Druck überzeugt man auf jeden Fall keinen davon, sich niederzulassen.

Wenn Sie sagen: Neue Kinder- und Jugendärzte kann man nicht aus dem Hut zaubern. Was würde kurzfristig helfen, um die Situation zu entlasten?

Ganz klar: weniger Bürokratie. Hinzu kommt die um sich greifende Attestitis von den Schulen und Kindergärten. Fernab vom Infektionsschutzgesetz müssen wir da attestieren, dass zum Beispiel eine Bindehautentzündung nicht mehr ansteckend ist. Das frisst unglaublich viele Kapazitäten und ist absolut sinnfrei.

Wie könnte man bei den AUs zeitsparen?

Man könnte zum Beispiel die Kinder-AUs abschaffen. Da könnte man einfach sagen, Eltern haben pro Jahr eine bestimmte Anzahl an Tagen für die Kinderbetreuung. Das würde unglaublich viel Zeit in den Praxen sparen.

In Hamburg entwickelt die Gesundheitsbehörde einen Leitfaden für Kitas, wie lange Kinder mit welcher Erkrankung zu Hause bleiben müssen. Würde das in diesem Kontext helfen?

Ich finde das gar nicht schlecht, weil es Elternbildung unterstützt. Vielen Eltern und auch den Mitarbeitern in den Kitas würde eine solche Liste helfen. Die gesetzliche Regelung dazu gibt es ja, aber die wenigsten wissen, was drin steht. Das ist mal eine gute Initiative seitens der Politik.

Und was ist die Regel?

Meist sind die Vorstöße plakativ, aber wenig sinnvoll. Nehmen wir mal als Beispiel die Datenschutzgrundverordnung. Die erschwert unsere Arbeit ungemein und schadet dem Patienten eher, als das sie ihm dient – weil sich niemand mehr traut, wichtige Informationen an die zuständigen Stellen weiterzugeben. Noch komplizierter wird es in unserem Fall, wenn dann zum Beispiel bei einem Kind ein geteiltes Sorgerecht besteht.

Was fordern Sie in diesem Fall von der Politik?

Ich glaube, wir Ärzte haben die beste Datenschutzverordnung, die es gibt. Nämlich die ärztliche Schweigepflicht. Von der kann ich mich ja entbinden lassen. Das klappt in der Regel sehr gut und dann kann ich mich auch austauschen und dann bräuchte ich diesen ganzen bürokratischen Wirrwarr nicht, der jetzt eingeführt wurde.

ALLIANZ DEUTSCHER ÄRZTEVERBÄNDE WARNT DIE KRANKENKASSEN VOR HINTERTREIBEN DES POLITISCHEN WILLENS

Etwas Schatten, etwas Licht, so wird der vorgelegte Entwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von den ärztlichen Organisationen beurteilt, die sich in der Allianz deutscher Ärzteverbände zusammengeschlossen haben.

Einerseits setzt das Vorhaben weitere schwerwiegende Eingriffe des Gesetzgebers in die Selbstverwaltung und die Organisationshoheit ärztlicher Praxen fort, andererseits erkennt die Politik erstmals den Zusammenhang zwischen der Budgetierung ärztlicher Leistungen und Terminkapazitäten niedergelassener Ärzte an.

Mit der Einführung neuer Leistungs- und Servicebereiche und dem klaren Willen, diese ausdrücklich extrabudgetär zu vergüten, geht der Gesetzgeber einen ersten Schritt in die Entbudgetierung aller ärztlichen Grundleistungen. Dies ist ein erster wichtiger Schritt, der – wenn er konsequent hin zu einem vollständigen Ende der Budgets weitergegangen würde – zahlreiche massive Eingriffe in die Selbstverwaltung und die Freiberuflichkeit niedergelassener Ärzte überflüssig gemacht hätte.

Gleich an vier Stellen – bei neuen Patienten, wenn Patienten über die Terminservicestelle kommen, bei akuten Patienten und in der offenen Sprechstunde – wird die extrabudgetäre Vergütung der Grund- und Versichertenpauschalen als Anreiz gesetzt. Darüber hinaus wird für neue Patienten auch eine Erhöhung der extrabudgetären Vergütung eingeführt.

Jetzt muss der Gesetzgeber aber auch sicherstellen, dass die Krankenkassen diesen politischen Willen nicht durch windige Bereinigungsregeln ad absurdum führen und niedergelassene Ärzte erneut Mehrleistungen erbringen ohne dafür das erforderliche Geld zu erhalten. Die Vorgaben im Gesetz hierzu müssen wasserdicht formuliert werden.

Den gesetzgeberischen Eingriff in vertragliche Vereinbarungen zu den Mindestsprechstundenzeiten lehnen die Ärzteverbände der Allianz aber aus grundsätzlichen und sachlichen Gründen ab: Grundsätzlich, weil der Gesetzgeber nicht in die Vertragshoheit von Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Ärzten eingreifen darf, sachlich, weil es sich um einen schwerwiegende Eingriff in die Autonomie von Organisationsstrukturen eines freien Berufes handelt. Hier wird weiter die Abrissbirne an dem erprobten System der Selbstverwaltung geschwungen.

Pressekontakt:

Allianz deutscher Ärzteverbände
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Telefon +49 (0)30 40009631
Fax      +49 (0)30 40009632

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Telemedizin in Haftanstalten

Vorreiter bei der Telemedizin in Haftanstalten

Matthias Schiermeyer

Stuttgart „Bundesweit einmalig“ sei das Pilotprojekt in fünf baden- württembergischen Gefängnissen, schwärmt Justizminister Guido Wolf (CDU), als er am Montag die Telemedizin in der Justizvoll- zugsanstalt Stammheim vorstellt. Das Modell dürfte sich zum Exportschlager entwickeln: Abhängig von den Ergebnissen im Südwesten erwägt auch NRW-Justizminister Peter Bie- senbach (CDU) bereits Online- Sprechstunden für Häftlinge – und weitere Länder könnten fol- gen.

Die Telemedizin soll die medizi- nische Versorgung vor allem in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden verbes- sern. Wegen der Suchtprobleme oder Suizidgefahren der Häft-

linge seien die Beschwerdebilder oft unklar. Bisher muss, wenn ein Insasse in Randzeiten erkrankt, meist der Vollzugsbedienstete entscheiden, ob er einen Notarzt holt oder einen Transport in die Klinik organisiert – was personal- aufwendig ist und Fluchtrisiken birgt. Seit Juni habe es bereits mehr als 100 Behandlungsfälle gegeben, sagt Wolf – etwa 3,25 pro Tag. Lediglich in weniger als acht Prozent der Fälle sei noch eine „Ausführung“ erforderlich gewesen. Eine 57 000 Euro teure Begleitstudie soll nun Gewis- sheit bringen, ob das mit gut 410 000 Euro veranschlagte halbjäh- rige Pilotprojekt tatsächlich ein Gewinn ist.

Martin Scherer vom Hamburger Telemedizin-Dienstleister

A+Videoclinic will so nah wie möglich an den „Goldstandard“ – das direkte Arzt-Patienten- Gespräch – herankommen. Dazu hat die Firma Honorarverträge mit 30 Allgemeinmedizinern und Psychiatern aus dem Südwesten geschlossen, die nach einem Dienstplan rund um die Uhr zur V erfügung stehen – teilweise aus ihrer Praxis, teilweise von zu Hause aus. Vergütet werden sie pauschal für Bereitschaftsdienste, Sprechstunden und Anrufe. Wie viele Ärzte nach einer Auswei- tung auf alle Anstalten des Lan- des benötigt werden, ist offen. Zunächst sollen diese 30 Kräfte ausgelastet werden, „sonst verlie- ren sie die Lust“.

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Versorgung

Jährliches Ritual: GKV-Spitzenverband zerstört Versorgung mit unlauteren Angeboten

Berlin, 16. August 2018 – Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) stellt sich hinter die Kassenärztliche Bundesvereinigung bei den Honorarverhandlungen für das Jahr 2019

Gestern sind die Honorarverhandlungen für das Jahr 2019 zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband in die erste Runde gegangen. Die erste Verhandlungsrunde machte dabei deutlich, dass die Verhandlungslinien auf Seite des GKV-Spitzenverbandes und auf Seite der KBV derart weit auseinander liegen, sodass der Erweiterte Bewertungsausschuss mit seinen Schiedspersonen angerufen wurde.

Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa: „Wir erleben ein jährliches Ritual auf Seiten des GKV-Spitzenverbandes. Ärztliche Versorgung wird teurer, innovativer und die Intensität der Behandlung der Patienten nimmt zu. Zusätzlich lässt sich die Versorgung immer schwerer flächendeckend organisieren. Nur die Krankenkassen wollen diese Realität nicht sehen. Allein die Inflationsrate in Deutschland liegt zehnmal höher als das Angebot der GKV. So zerstört man Versorgung mit unlauteren Angeboten.“

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat derzeit ein Gesetz für schnellere Termine und eine bessere Versorgung (GKV-TSVG) auf den Weg gebracht. Hierzu ergänzt Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa: „Das Bekenntnis des BMG im GKV-TSVG, dass auch Fachärzte einen Versorgungsbeitrag für die Grundversorgung der Patienten in Deutschland leisten, ist ein erster richtiger und zugleich wichtiger Schritt für eine zukunftsfähige flächendeckende ärztliche Versorgung. Ärztliche Leistungen der Grundversorgung jedoch zu budgetieren, ist unethisch.“

Der SpiFa fordert seit mehreren Jahren, eine konsequente Entbudgetierung der vertragsärztlichen Leistungen in der Grundversorgung, beispielsweise durch Herausnahme aller relevanten Betreuungs- und Koordinationsleistungen sowie der Leistungen, die mit der pauschalierten fachärztlichen Grundvergütung (PFG) belegt sind, aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) und Überführung in die Extrabud-getäre Gesamtvergütung (EGV), zu verfolgen. Dies führt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgung – und damit auch dem Terminangebot – in der vertragsärztlichen Versorgung.

Widerspruchslösung Organspende

Deutsche Krankenhaus Gesellschaft vom 03.09.2018

Debatte zur Widerspruchslösung dringend notwendig

DKG zum Gesetzentwurf zur Organspende

Es ist sehr zu begrüßen, dass der Bundesgesundheitsminister die Debatte um die Widerspruchslö- sung bei der Organspende aktiv angehen will. Nur durch eine gesellschaftlich geführte Diskus- sion kann dauerhaft ein Klima erzeugt werden, in dem die Bereitschaft zur Organspende zunimmt und zeitgleich Ängste vor der Organspende abgebaut werden. „Ich persönlich befür- worte die Widerspruchslösung, weil sie dazu führen wird, dass sich die Menschen frühzeitig gemeinsam mit ihren Angehöri- gen mit der Entscheidung für oder gegen die Organspende aus- einandersetzen. Die heutige Situation, in der vielfach die Angehörigen mit dieser Frage erst konfrontiert werden, wenn der Patient unheilbar erkrankt oder bereits hirntot ist, ist für viele eine Überforderung“, so der Präsident der Deutschen Kran-

kenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß. Für die Krankenhäu- ser ist es vorrangige Aufgabe, Menschen, die auf Organspen- den angewiesen sind, helfen zu können. Die Problematik der geringen Bereitschaft zur Organ- spende in Deutschland kann von den Krankenhäusern alleine nicht gelöst werden. Dies macht der Minister mit seinen Aussagen zu Widerspruchslösungen mit dem Maßnahmenpaket deutlich. Der Gesetzentwurf unterstreicht das politische Bekenntnis zum Abbau von Hemmnissen, auf die die Krankenhäuser seit Jahren hin- weisen“, erklärte Gaß. Mit dem nun vorliegenden Gesetzentwurf werden nach Ansicht der Kran- kenhäuser wichtige Weichen gestellt, die Rahmenbedingungen für die Kliniken bei der Organ- spende zu verbessern. Wesent- lich ist, dass der Gesetzgeber deutlich macht, dass die Erstat-

tungen für Organspenden so erhöht werden, dass alle Kosten gedeckt werden. Wichtig ist auch, dass die Freistellung von Trans- plantationsbeauftragten verbes- sert und bundesweit einheitlich gestaltet werden sollen. „Wir wollen mit Organspenden kein Geld verdienen, aber es muss natürlich so sein, dass diese wich- tige, zentrale medizinische Lei- stung in den Krankenhäusern nicht zu Verlusten führt. Klar ist aber auch, dass organisatorische Verbesserungen nicht die Ent- scheidung der Angehörigen erset- zen können. Nur wenn es gelin- gen sollte ein anderes V erständ- nis für die Bedeutung von Organ- spende in der Gesellschaft zu ver- ankern, werden wir auch mehr Organspenden haben können“, so der DKG-Präsident.

Grundversorgung zu budgetieren ist unethisch!

Grundversorgung zu budgetieren ist unethisch!

Berlin, 5. Juli 2018 – Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) nimmt Stellung zu den Forderungen des GKV-Spitzenverbandes gegenüber den grundversorgenden Haus- und Fachärzten nach mehr Leistung bei Beibehaltung der Budgetierung

Die vom GKV-Spitzenverband zusätzlich geforderten Sprechzeiten von grundversorgenden Haus- und Fachärzten an Wochenenden oder am Abend sind eine Kampfansage an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.

Der SpiFa unterstützt insoweit die deutlichen Zurückweisungen des Deutschen Hausärzteverbandes und erklärt hierzu: „Grundsätzlich ist die bestehende Budgetierung im vertragsärztlichen Versorgungsbereich endlich aufzuheben. Wir haben mit unseren Mitgliedsverbänden bereits im Jahr 2016 hierzu Vorschläge unterbreitet, wie ein Einstieg in die Entbudgetierung für grundversorgende Haus- und Fachärzte gleichermaßen vorgenommen werden kann.“, so Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa.

„Budgetierung zu verteidigen und gleichzeitig Wartezeiten bei grundversorgenden Haus- und Fachärzten zu beklagen, ist kein Beitrag zur Lösung der durch die Budgetierung selbst verursachten Probleme.“, ergänzt Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa. „Würden die gesetzlichen Krankenkassen die von ihren Mitgliedern tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen vollständig vergüten, gäbe es insbesondere bei den grundversorgenden Facharztrichtungen, wie beispielsweise Urologen, HNO-Ärzten, Orthopäden, Gynäkologen, Psychiatern und Kinderärzten, kein nennenswertes Wartezeitenproblem.“, so Lindemann weiter.

„Bei einem solchen Befund bei der plumpen Forderung nach mehr Sprechstundenzeit ohne Aufhebung der Budgets für die grundversorgenden Leistungen oder zumindest merklicher Entlastung von durch die Krankenkassen gewünschten Verwaltungstätigkeiten zu bleiben, bleibt einfach unlogisch. Es ist keinem grundversorgenden Haus- oder Facharzt zu vermitteln, dass durchschnittlich 11 Prozent aller erbrachten ärztlichen Leistungen nicht vergütet werden, im Extremfall (Thüringen) sogar bis zu 24 Prozent der Leistungen)*“, so Heinrich weiter.

Im Juni 2016 hat der SpiFa mit seinem Grundsatzpapier „Fachärzte in der Grundversorgung“ vorgeschlagen, mit einer Ausbudgetierung aller relevanten Betreuungs- und Koordinationsleistungen sowie der Leistungen, die mit der pauschalierten fachärztlichen Grundvergütung belegt sind, im Bereich der erbrachten ambulanten Grundversorgung und deren gesamthaften Überführung in die Extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) feste Preise für diese Leistungen zu bestimmen und damit einen Anreiz für Koordination und Case-Management durch Haus- und Fachärzte in wohnortnaher Niederlassung zu setzen.

Reinhardt: Vorschläge zur Patientensteuerung sind ein entscheidender Paradigmenwechsel

Reinhardt: Vorschläge zur Patientensteuerung sind ein entscheidender Paradigmenwechsel

Als „zukunftsweisend“ hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, in einer ersten Reaktion das gestern vom Sachverständigenrat Gesundheit an das Gesundheitsministerium übergebene Gutachten zur bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung bezeichnet. „Ungeachtet der Tatsache, dass ohne Frage in der Detailbetrachtung aus unserer Sicht auch Kritik an dem einen oder anderen Vorschlag der Gutachter anzubringen ist – so zum Beispiel mit Blick auf Pläne für ein verändertes Nachsetzungsverfahren im ambulanten Bereich – hat der Sachverständigenrat erstmals deutlich gemacht, dass auch der Patient ein Akteur des Gesundheitssystems ist, dessen Verhalten Auswirkungen auf die Effektivität des Systems und damit auch auf seine bestmögliche Versorgung hat“, sagte Reinhardt. Auch wenn sich der Sachverständigenrat verständlicherweise bemühe, den Ball an dieser Stelle verbal flach zu halten, so sei die Betonung der Notwendigkeit einer gezielteren Steuerung der Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen durch Patientinnen und Patienten ein entscheidender Paradigmenwechsel. Diese auch vom Hartmannbund wiederholt geforderte Entwicklung sei ausdrücklich zu begrüßen. Bisher sei es stets darum gegangen, auf begrenzte Ressourcen durch Regulierungen auf Leistungserbringerseite zu reagieren. Reinhardt: „Mit Blick auf Jens Spahn darf das Papier mindestens an dieser Stelle durchaus als Aufforderung zur Mutprobe betrachtet werden, denn wir dürfen gespannt sein, wieviel der Gesundheitsminister sich hier traut.“

Bis zur offiziellen Vorstellung des Gutachtens gegenüber der Fachöffentlichkeit, Ende September, gelte es nun, sich detailliert mit den auf mehreren hundert Seiten verfassten Vorschlägen auseinanderzusetzen und deren mögliche politische Umsetzung konstruktiv-kritisch zu begleiten. Die Neuorganisation der Notfallversorgung, die Weiterentwicklung der Krankenhausplanung, Vorschläge zur weiteren Intensivierung der sektorübergreifenden Versorgung oder etwa Landarztzuschläge und die Bewertung der hausarztzentrierten Versorgung seien dabei nur einige von vielen Themen, denen es sich zu widmen gelte.

Gesundschau der Märkischen Kliniken August 2018: Syphilis vorbeugen

Gesundschau der Märkischen Kliniken August 2018: Syphilis vorbeugen

In einem aktuellen Beitrag zeigt Frau Dr. Dorothee Dill, Chefärztin der Hautklinik am Klinikum Lüdenscheid und stv. Vorsitzende des Ärztevereins die Vorbeugungs- und Therapiemöglichkeiten einer Syphilis-Erkrankung auf.

Ein Thema was in den letzten Jahren wieder deutlich auf dem Vormarsch ist!

Schaut vorbei!

Pohle: Landesminister haben Chance verpasst, Landarztpraxen für den Ärztenachwuchs attraktiver zu machen

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Steigende Finanzreserven der Krankenkassen ermöglichen Entbudgetierung

„Die Diskussionen um die Attraktivität der Niederlassung und Engpässen bei Arztterminen könnten eigentlich bald der Vergangenheit angehören, denn dank voller Kassen wäre eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Sicherstellung der Versorgung vor allem in der Fläche leicht realisierbar: die entbudgetierte Vergütung ambulanter ärztlicher Leistungen. Doch die Chance, hier ein Zeichen an den Gesetzgeber zu senden, haben die Länder in ernüchternder Einmütigkeit leider vertan.“ Das sagte der Vorsitzende des Hartmannbund-Landesverbandes Brandenburg, Dr. Hanjo Pohle, mit Blick auf die gestrige Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz, den Antrag des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministers Dr. Heiner Garg, die Budgetierung ambulanter Leistungen im Gesetz zu lockern, abzulehnen. „Das ist besonders unverständlich, wenn man bedenkt, dass die gesetzlichen Krankenkassen allein im 1. Quartal des Jahres 2018 erneut einen Überschuss von rund 416 Millionen Euro erzielt haben“, so Pohle. Die nun ebenfalls vorliegenden endgültigen Jahresergebnisse 2017 ergaben darüber hinaus einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro – rund 350 Millionen Euro mehr als in den vorläufigen Werten ausgewiesen. Damit sind die Finanzreserven der Krankenkassen bis Ende März 2018 auf rund 19,9 Milliarden Euro gestiegen. „Man hätte jetzt auf der Grundlage dieser üppigen Finanzreserven Taten folgen lassen können, denn wer keine Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung in der Fläche findet, muss als erstes die Hürden für die Entscheidung einer Praxisübernahme abbauen.“

Der Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e.V. ist der einzige freie Verband, der die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärzte, Zahnärzte und Medizinstudierenden in Deutschland – unabhängig vom Fachgebiet, ob niedergelassen, angestellt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig – vertritt.