„Die Terminservicestellen gehören abgeschafft“

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Das neue Führungsduo an der Spitze der Landesärztekam- mer Hessen hat „Vorhaben und Perspektiven“ für die neue Wahlperiode bis 2023 präsen- tiert.

Von Christoph Barkewitz Frankfurt. Frisch im Amt stellt sich Hessens neuer Kammer-Prä- sident direkt mal gegen den ober- sten Repräsentanten seiner Zunft: In Sachen Terminservicestellen (TSS) könne er die positive Mei- nung des Präsidenten der Bunde- särztekammer, Dr. Frank-Ulrich Montgomery „nicht nachvollzie- hen“, sagte Dr. Edgar Pinkowski am Dienstag, als er gemeinsam mit der wiedergewählten Vize- präsidentin Monika Buchalik die Pläne der neuen Kammerspitze vorstellte.
Im Zuge des geplanten Termin- service- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollen die Terminser- vicestellen mit erweiterten Auf- gaben weiterentwickelt werden. Demzufolge soll auch der Ärztli- che Bereitschaftsdienst (ÄBD) unter der bundesweiten Telefon- nummer 116 117 bei den TSS angesiedelt werden. Die Bunde- särztekammer hatte dies „als wichtigen ersten Schritt zur Umsetzung eines sektorenüber- greifenden Konzepts der Notfall- und Akutversorgung sowie zur V erbesserung der haus- und fach- ärztlichen Versorgung“ begrüßt. „Wir sehen die TSS ohnehin kri- tisch“, sagte Pinkowski, „dass diese auch noch den Bereit- schaftsdienst koordinieren sollen,

kann ich gar nicht nachvollzie- hen“. Der sinnvollere Weg sei, den Rettungsdienst 112 und den Bereitschaftsdienst 116 117 bes- ser zu koordinieren. Die Ent- scheidung, wo ein Notfallpatient am besten versorgt werden könne, sei von einer TSS nicht zu leisten: Für die Beurteilung von Notfällen beziehungsweise ver- meintlichen Notfällen und der Vermittlung von Arztterminen brauche es unterschiedlich ausge- bildetes Personal. Die Service- stellen gehörten abgeschafft, da sei er auch mit der KV-Spitze in Hessen einer Meinung.

Der ÄBD sollte nach Meinung des im mittelhessischen Pohl- heim niedergelassenen Anästhesi- sten möglichst an Krankenhäu- sern angesiedelt sein und die Patienten möglichst „durch eine Tür“ kommen. Dies müsste nicht unbedingt in Form einer Portal- praxis sein, so Pinkowski, um dies 24 Stunden lang betreiben zu können, gebe es gar nicht genug Ärzte. Ein guter Weg hingegen sei das in Hessen praktizierte Modell der „Partnerpraxen“, die den Krankenhäusern als Adresse zur Weiterbehandlung bekannt seien.

Pro Widerspruchslösung Wäh- rend Pinkowski das TSVG aus dem Bundesgesundheitsministe- rium zusammenfassend als „aus hessischer Sicht kontraproduktiv“ abbügelte, begrüßte er ausdrück- lich den V orschlag von Minister Jens Spahn (CDU), die Wider- spruchslösung für Organspenden

einzuführen. „Ob es dann für Angehörige noch ein Vetorecht gibt, ist zweitrangig, wichtig ist, dass die Widerspruchslösung kommt.“

Vizepräsidentin Buchalik hat die V ereinbarkeit von Beruf und Familie für Ärzte im Blick. Die vielen ÄBD-Zentralen in Hessen böten bereits eine wesentliche Entlastung für die Ärzte außer- halb ihrer Arbeitszeiten. Aller- dings seien die Befreiungszeiten von den Bereitschaftsdiensten für Ärztinnen mit kleinen Kindern nicht ausreichend. Dazu liefen derzeit Gespräche zwischen Kammer und KV , um diese Zei- ten zu verlängern.

Bei der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum bescheinigt sie dem Land Hessen, sich „redlich zu mühen“. Ob jedoch Maßnah- men aus dem „Hessenpakt“ wie Förderungen von Famulaturen in Landarztpraxen oder des Fachs Allgemeinmedizin im Studium reichten, sei fraglich. V or allem in letztgenanntem Punkt: Ein Wahl-Tertial Allgemeinmedizin im Studium genüge nicht, meint Buchalik, „ein Pflicht-Quartal wäre mir lieber. Schließlich habe jeder Arzt später Kontakt zu All- gemeinmedizinern, also sollte sich auch jeder angehende Medi- ziner ein Bild davon machen.Contra Landarztquote Der in anderen Bundesländern geplan- ten oder zumindest erwogenen Landarztquote und der damit ein- hergehenden Verpflichtung des Nachwuchsarztes im ländlichen

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