Archiv des Autors: Max Tischler

ÄRZTE-PARLAMENT UNTERSTÜTZT KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN IM ÖFFENTLICHEN GESUNDHEITSDIENST – KAMMERVERSAMMLUNG FORDERT ANGEMESSENE ARZTSPEZIFISCHE VERGÜTUNG – WINDHORST: ES GEHT UM DEN GESUNDHEITSSCHUTZ DER BEVÖLKERUNG

Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe forderte in ihrer Herbstsitzung die Verantwortlichen in Kommunen, Land und Bund dazu auf, für eine angemessene Vergütung der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) Sorge zu tragen, damit der gravierende Nachwuchsmangel in diesem wichtigen Versorgungsbereich sich nicht weiter fortsetzt. Damit unterstützte die Kammerversammlung auch die Kundgebungen der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, mit denen diese für eine Durchsetzung dieser Forderungen eintreten.

Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst: „Wenn wir nicht gegensteuern, verlieren wir in diesem Bereich den Nachwuchs, den wir dringend brauchen, und der dann mit den Füßen abstimmen und sich beruflich anderweitig orientieren wird.“ Der öffentliche Gesundheitsdienst nimmt laut Windhorst wichtige Aufgaben wahr, um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Dazu gehörten etwa die Schulgesundheitsuntersuchungen, die psychiatrische Notfallversorgung, auch eine amtsärztliche Leichen-schau oder auch die medizinische Untersuchung von Flüchtlingen, um keine epidemiologischen Gefahren aufkommen zu lassen. Deshalb müsse dieses „breite Berufsfeld für die jungen Ärztinnen und Ärzte in einem Gesamtpaket“ attraktiv gemacht werden: „Dazu gehört neben der angemessenen Vergütung auch eine ausreichende Personaldeckung.“

In dem einstimmig angenommenen Beschluss, der von der Fraktion des Marburger Bundes eingebracht worden war, unterstützte das Ärzte-Parlament die Forderung der diesjährigen Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf nach arztspezifischen tariflichen und besoldungsrechtlichen Regelungen für angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst in Anlehnung an die Vergütung in Krankenhäusern. Die Kammerversammlung begrüßte auch die Entscheidung des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), zukünftig tarif-politisch selbstständig zu agieren.

Die ärztliche Personalsituation im ÖGD habe sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert, heißt es in dem Kammervotum weiter. Nach Angaben des BVÖGD ist die Gesamtzahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern in den letzten 18 Jahren um ein Drittel zurückgegangen. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hat bei ihrer Sitzung im Juni 2018 in Düsseldorf auf die Folgen der erheblichen ärztlichen Unterbesetzung für die Leistungsfähigkeit des ÖGD vor Ort hingewiesen. Aufgaben könnten unter diesen Bedingungen nicht mehr im vollen Umfang wahrgenommen werden.

Als eine maßgebende Ursache hat die GMK die Differenz zu den Vergütungen von Ärztinnen und Ärzten in Krankenhäusern festgestellt. Deswegen müssten die Verantwortlichen in Kommunen, im Land und im Bund nun unverzüglich handeln. Durch arztspezifische tarifliche und besoldungsrechtliche Regelungen für angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst müsse für attraktive Vergütungs- und Arbeitsbedingungen gesorgt werden. Es dürfe nicht sein, dass Staat und Gesellschaft den ÖGD mit immer neuen Anforderungen konfrontierten, ohne zugleich dafür zu sor-gen, dass der ÖGD über die erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen verfüge.

SpiFa fordert unbedingte Nachbesserungen am Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG)

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) hält an seiner kritischen Sichtweise am TSVG fest. Für den weiteren parlamentarischen Beratungsprozess sieht der Verband zwei zentrale Punkte als maßgebliche Forderungen an. Beide seien dringend und wichtig.

An erster Stelle steht die Entbud- getierung ärztlicher Leistungen. „Diese Forderung ist weiterhin aufrecht zu erhalten“, sagte SpiFa-Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Heinrich am Montag in Berlin. „Budgets sind Versorgungsfeindlich und Urheber der Wartezeiten für den Patienten.“ Zudem müsse die sogenannte offene Sprechstunde freiwillig ausgestaltet werden. „Ein Zwang zum Angebot einer offenen Sprechstunde löst keine Probleme, weil die Vertragsärzte hinsichtlich ihrer Arbeitsbelastung bereits heute am Limit sind“, so Heinrich. V ertragsärzte, die mehr leisten können und wollen, hätten mit einem freiwilligen Angebot einer offenen Sprechstunde die Möglichkeit, das Versorgungsan- gebot zu erweitern. Der Zuschlag auf die Grundpauschalen für Leistungen in der offenen Sprechstunde muss laut SpiFa von 15 auf 50 Prozent erhöht werden.

Dr. Klaus Reinhardt „Wir werden in einer Art hinterfragt werden, wie wir sie bisher nicht kennen“

Bei der Jahresversammlung des Hartmannbunds versucht ihr Vorsitzender die Ärzteschaft zu mehr Offenheit bei der Digitalisierung zu motivieren. Alle, die nicht bald in Ruhestand gingen, würden sonst den Anschluss an ihre Patienten verlieren.

Die verfasste Ärzteschaft muss mehr eigene Ideen dazu entwickeln, wie sie die Digitalisierung für eine bessere Versorgung ihrer Patienten einsetzt. Das forderten der Vorstandsvorsitzende des Hartmannbunds, Dr. Klaus Reinhardt, und andere Redner am Freitag in Berlin, wo der Ver- band seine Hauptversammlung abhielt. „Wir sollten uns nicht wehren, sondern pragmatisch dem Thema öffnen“, sagte Reinhardt, der eine beträchtliche Verweigerungshaltung bei vielen Ärzten ausmachte. „Ob man die Digitalisierung liebt oder nicht ist völlig egal, denn sie wird kom- men.“ Alle Ärzte, die „noch länger als fünf oder sechs Jahre arbeiten“, müssten sich mit neuen Möglichkeiten digitaler Angebote beschäftigen, weil sie sonst den Anschluss an Techniken ver- lören, mit denen Patienten wie selbstverständlich umgingen. „Wir werden in einer Art hinter- fragt werden, wie wir sie bisher nicht kennen“, sagte Reinhardt. Das medizinische Wissen der Welt sei bald für jedermann überall und immer verfügbar, „ihr Wissensmonopol wird die Ärzte- schaft verlieren“. Reinhardt räumte ein, dass manche der in der Ärzteschaft in den zurücklie- genden Jahren formulierten Vorbehalte gegen die Digitalisierung „angemessen waren und dass es auch keine vertrauensbildenden Maßnahmen in der Politik gab“, um dem entgegenzuwirken. „Nichtsdestotrotz sind die Alternativen, die die verfasste Ärzteschaft anbietet, nicht so großartig.“ Reinhardt griff einen klassischen Einwand vieler Ärzte auf, der auch bei der Hauptversammlung in mehreren Varianten zu hören war: Dass nicht klar sei, ob Mediziner für Fehler hafteten, die bei Behandlungen mit digitalen Produkten oder bei auf künstlicher Intelligenz fußenden Diagnosen entstünden. Die Furcht vor unkalkulierbaren Risiken für Ärzte sei mit Tatsachen oder Rechtsnormen nicht zu belegen. „Wir leben in der Vorstellung, dass bei der Digitalisierung nie wieder Fehler passieren dürfen. Diese Annahme ist völlig unzutreffend.“ Sehr wohl vorstellbar sei aber, dass Patienten Ärzte damit konfrontierten, wenn diese auf digitale Instrumente verzichteten und dadurch Patienten Schaden erlitten. „Der Zeitpunkt, an dem diese Frage unter forensischen Aspekten behandelt werden wird, ist nicht weit weg“, prognostizierte Reinhardt.

AFB unterstützt Ablehnung des gestuften und gesteuerten Zuganges zur Psychotherapeutischen Versorgung

München, 29. Oktober 2018 //

Die Allianz fachärztlicher Berufsverbände (AFB) unterstützt die Ablehnung der Verbände aus den Bereichen der Psychotherapie, der Psychiatrie und der psychosomatischen Medizin hinsichtlich der im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) geplanten Einführung eines gestuften und gesteuerten Zuganges für die psychotherapeutische Versorgung vom 23.10.2018.

„Mit den im Kabinettsentwurf formulierten Vorschlägen wird die Versorgung von psychisch kranken Menschen nachhaltig verschlechtert. Anstatt den Zugang zur Psychotherapie zu verbessern, erschwert die Politik mit dem geplanten Verfahren die Möglichkeiten der Behandlung“.

Diese Ansicht teilen auch die in der AFB zusammengeschlossenen fachärztlichen Berufsverbände. Das zuständige Gesundheitsministerium konterkariere damit die Fortschritte aus der Reform der Psychotherapierichtlinie, die erst im Jahr 2017 komplett überarbeitet worden ist.
Deren Auswirkungen können noch gar nicht abschließend beurteilt werden und müssen, wie im Gesetz geregelt, erst noch evaluiert werden. Durch die bereits erfolgte Reform wurde mit der Einführung der Sprechstunde die vom Gesetzgeber gewünschte Vorabklärung zur Psychotherapie etabliert. Eine nun nochmals vorgeschaltete Vorabklärung durch einen eingeschränkten Behandlerkreis würde nur verzögern, verhindern und schaden. Den Patientinnen und Patienten würde der Direktzugang zur Behandlerin oder zum Behandler verwehrt. Die Hürden für psychisch Erkrankte durch das TSVG würden zudem eine nicht hinnehmbare Diskriminierung dieser Patientengruppe darstellen.

Wer weiß, welche Zugangsplanungen das Bundesgesundheitsministerium dann zukünftig für die fachärztliche Versorgung in der Schublade hat. Solchen Überlegungen ist bereits im Vorfeld eine klare Absage zu erteilen.

 

Verantwortlich (V.i.S.d.P.):

Dr. Peter Heinz, Vorsitzender

===================================

Kontakt für die Medien:

AFB e.V. – Allianz fachärztlicher Berufsverbände

Bayerns Fachärzte

Falkenstr. 34

81541 München

Tel.: 089 | 4899 80-37

Fax: 089 | 4899 80-38

Email: info@afb-fachaerzte-bayern.de

Bundesärztekammer beschließt neue (Muster-) Weiterbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland
MWBO 2018

Berlin – Der V orstand der Bundesärztekammer hat einstimmig die Gesamt-Novelle der (Muster- )Weiterbildungsordnung (MWBO) für Ärztinnen und Ärzte beschlossen. Er gab damit den Startschuss für eine vollstän- dige Neuausrichtung der ärztli- chen Weiterbildung. Kompetenz- basiert und flexibel, Inhalte statt Zeiten – dafür steht das neue Regelwerk, auf dessen Grund- lage sich künftig Ärztinnen und Ärzte in ganz Deutschland zur Fachärztin beziehungsweise zum Facharzt weiterbilden lassen können. Mit dem Beschluss hat eine Weiterbildungsreform ihren Abschluss gefunden, die im Jahr 2012 auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg begann. Damals erteilte der Ärztetag den Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer den Auftrag,

eine kompetenzbasierte Weiterbildungsordnung mit dem Ziel einer hohen Weiterbildungsquali- tät zu entwickeln. In enger Abstimmung mit den Wissenschaftlich-Medizinischen Fachge- sellschaften und mit den Berufs- verbänden erarbeiteten Bunde- särztekammer und Landesärztekammern nicht nur die fachli- chen Anforderungen, sondern auch die didaktische Ausrichtung der neuen MWBO. Die zu erwerbenden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten werden künftig aufgeteilt in „Kognitive und Methodenkompetenzen“ sowie in „Handlungskompetenzen“. Sie werden den folgenden vier Kategorien zugeordnet: Inhalte, die der Weiterzubildende zu beschreiben hat; Inhalte, die der Weiterzubildende systematisch einordnen und erklären soll sowie Fertigkeiten, die der Weiterzubildende unter Anleitung erfüllt, und solche, die der Weiterzubildende selbstverantwortlich durchführt. Die MWBO ist die Grund- lage für die rechtlich verbindlichen Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern. Bereits im Mai dieses Jahres hatte der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt die strukturellen Vorgaben für die neue MWBO einstimmig beschlossen. Im Anschluss berieten Bundesärztekammer und Lan- desärztekammern die konkrete Ausgestaltung der 51 Facharzt-, 10 Schwerpunkt- und 57 Zusatz- Weiterbildungen. Der BÄK-Vorstand empfahl den Ländern, die jetzt von ihm verabschiedete Gesamt-Novelle in Landesrecht umzusetzen.

Allianz Deutscher Ärzteverbände unterstützt Ärzte-Kodex

Berlin, 29.10.18 – Die Allianz Deutscher Ärzteverbände unterstützt den Ärzte-Kodex (vormals Klinik-Kodex), welcher durch den Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) erarbeitet wurde.

Wir wenden uns damit ausdrücklich nicht gegen eine wirtschaftliche Erbringung ärztlicher Leistungen. Wir wollen aber verhindern, dass diese für rein ökonomisch orientierte Ziele missbraucht werden. Wir beobachten die Entwicklung in Deutschland in der ärztlichen Versorgung mit zunehmender Sorge. Im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns sollte immer der Patient stehen. Wie im Krankenhaus kann auch im ambulanten Versorgungssektor ein Konflikt mit dem Arbeitgeber auftreten, wenn Vertragsärzte im Anstellungsverhältnis arbeiten.

Alle Information zum Ärzte-Kodex finden Sie unter https://www.spifa.de/aerzte-kodex/

Im Gedenken der Kinder – Besichtigung der Ausstellung und der GEDENK-ZELLEN am 21.11.2018

Im Gedenken der Kinder – Besichtigung der Ausstellung und der GEDENK-ZELLEN am 21.11.2018

Fortbildung im Rathaus der Stadt Lüdenscheid mit Besichtigung der GEDENK-Zellen und der Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“. Thema waren die Verbrechen von (Kinder-)Ärzten in der NS-Zeit. Ein sehr bewegendes Thema, welches uns und den 20 Kolleginnen und Kollegen von Herrn Ebertz und Herrn Wagner näher gebracht wurde.

—————————

Nächste Veranstaltung am 05.12.2018 in der Kapelle des Klinikum Lüdenscheid Märkische Kliniken GmbH zum Thema „Tumore im Kopf-Hals-Bereich“ – HNO meets Derma ‼️

 

Zur 25-Stunden-Regelung gestolpert

Für die Union war es ein Zugeständnis, für die SPD eine Vermutung. Beim SpiFa-Kongress wird deutlich, wie wenig Verantwortliche die geplante neue Mindestsprechstundenzeit begründen können.

Bild: Diskutierten am Freitag beim SpiFa-Kongress über das Terminservicegesetz (v.l.): SPD-Poltikerin Müller, SpiFa-Chef Heinrich und Grünen-Politikerin Kappert-Gonther.
© änd, tt

Das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat viele Punkte, die Großteile der Ärzteschaft dagegen aufbringen, doch einer sticht für die meisten als geradezu unverschämt heraus: die Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten in Arztpraxen von jetzt 20 auf künftig 25 Stunden. Logisch, dass es auch beim Fachärztetag des Spitzenverbands Fachärzte (SpiFa) am Freitag in Berlin um dieses Thema ging.

Das Gesetz habe „nicht nur Schattenseiten“, gestand SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich zu, die 25-Stunden-Regelung gehörte aber sicher nicht zu den wenigen positiven Aspekten. Woraufhin Vertreter der Koalitionsparteien recht deutlich zu verstehen gaben, dass sie eine valide Begründung für diesen Teil des TSVG kaum liefern können. Anders gesagt: Die einen ließen sich bei dem 25-Stunden-Passus offenbar überreden, die anderen handelten auf Grundlage unbelegter Vermutungen.

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, beschrieb die Regelung im noch in der Ausarbeitung befindlichem Gesetz als Zugeständnis an die SPD. „Das TSVG ist eine Antwort darauf, warum es keine Einheitsversicherung gibt“, sagte sie. „Wir sind in einer Koalition, da muss jeder sehen, dass er seine Sachen unterbringt“. Für die SPD sei das, wenn man sich schon von der Bürgerversicherungen verabschiedet habe, die Erhöhung der Sprechstundenzeiten gewesen.

Bettina Müller, SPD-Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag, beklagte daraufhin, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) keine Zahlen haben liefern können, wie viele Sprechstunden Ärzte im Schnitt heute anböten. „Niemand konnte belegen, dass die Zeiten eingehalten werden.“ Aus diesem Grund habe man sich für striktere Vorgaben eingesetzt. Vertragsärzte seien in einer „relativ komfortablen Situation“, wenn sie erst einmal einen Praxissitz und damit einen Patientenstamm hätten, „da kann ich erwarten, dass gewisse Bedingungen auch erfüllt werden“.

Unterstützung von FDP und AfD

Dirk Heinrich erwiderte, dass in seiner Hamburger KV „kein Politiker angerufen und nach Statistiken gefragt“ habe, und hätte es einer getan, wäre die Auskunft gewesen, dass nur zwei Prozent der Hamburger Ärzte weniger als 25 Stunden Sprechstunden anböten. Für ein Fünfzigstel der Ärzte werde also nun solch eine Vorschrift gemacht. „Das kommt als Misstrauen und fehlende Wertschätzung bei uns an“, sagte Heinrich. Die implizite Unterstellung, Ärzte würden nicht genug arbeiten, passe in keiner Weise zum von der Großen Koalition bewahrten Dogma, ärztliche Vergütung müsste budgetiert werde, weil sonst eine unbegrenzte Leistungsausweitung drohe. Heinrich wiederholte seine inzwischen routiniert vorgetragene – und von der Politik ebenso routiniert abgelehnte – Forderung, die Budgetierung zumindest in der Grundversorgung abzuschaffen. „Dieses Instrument hat sich verbraucht und gehört abgeschafft“, sagte er.

Heinrich appellierte an die Vertreter der Regierungskoalition, den Ärzten zuzutrauen, eine vernünftige Versorgung aus eigener Kraft auf die Beine zu stellen. Offene Sprechstunden würden genügend Ärzte auch ohne gesetzliche Verpflichtung anbieten, wenn es Anreize gäbe. „Sie werden Ärzte finden, die das machen, sie brauchen dafür nicht in unsere Autonomie eingreifen.“

Die Koalition solle sich „klar machen, was Ärzte an Stunden abreißen“, unterstrich Christine Aschenberg-Dugnus (FDP), Mitglied im Gesundheitsausschuss. Eine „Sprechstundenpolizei“ sei überflüssig, stattdessen sollte sich die Politik um einen Abbau der Bürokratie in Arztpraxen kümmern. „Das TSVG macht mehr Bürokratie.“ Genauso sah es Prof. Axel Gehrke, für die AfD im Ausschuss. „Wir brauchen nicht nur eine Entbudgetierung, sondern auch eine Entregulierung“ – derzeit steuere die Politik auf eine „Planwirtschaft“ zu.

Einzelpraxis als Auslaufmodell

Die Koalitionsvertreter Maag und Müller verteidigten die Eingriffe in die Selbstverwaltung. So habe sich die Koalition etwa vorgenommen, die sprechende Medizin besser zu vergüten, weil es die ärztliche Selbstverwaltung nicht hinbekommen habe, und technische Fächer immer noch sehr viel lukrativer seien als etwa das hausärztliche. Auch die im TSVG geplante Verpflichtung für KVen, in Regionen ohne Praxen Eigeneinrichtungen zu etablieren, resultiere nur aus dem Versagen der Selbstverwaltung, dieses Problem selbst zu lösen. „Da muss mehr passieren“, sekundierte Bettina Müller. „Da muss die Ärzteschaft eben auch mal gucken, wie sie ihrer Versorgungsverpflichtung nachkommt.“

Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Ärztin und für die Grünen im Gesundheitsausschuss, sprach sich gegen die komplette Entbudgetierung aus – und für eine Gesundheitspolitik, „die nicht nur die ärztliche Sicht einnimmt“. Die Versorgung könne in Zukunft nur sichergestellt werden, „wenn man schaut, was ärztlich erbracht werden muss und was man auf andere Schulter verteilen kann“, also wo andere Gesundheitsberufe eine stärkere Rolle einnehmen könnten. „Da bricht uns Ärzten kein Zacken aus der Krone.“ Es sei zudem sehr fraglich, schob Kappert-Gonther nach, „ob die fachärztliche Einzelpraxis das Modell der Zukunft ist“. Berufsübergreifende Teams oder auch Medizinische Versorgungszentren könnten viel besser geeignet sein, die medizinischen Anforderungen der Gesellschaft von morgen zu erfüllen.

„Freiberuflichkeit: ein Auslaufmodell – oder heute mehr denn je notwendig?“,

zu diesem Thema hat heute in Berlin Max Tischler, Schriftführer des Deutschen Facharztverbandes, gemeinsam mit Dr. Kevin Schulte, Vorsitzender des Bündnis Junge Ärzte, Dr. Ellen Lundershausen, Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Klaus Rheinhardt, Mitglied der Bundesärztekammer, und Jana Aulenkamp, Präsidentin der BVMD, anlässlich des 4. Deutschen Fachärztetages des SPIFA diskutiert. Ein übervoller Raum zeigt, dass fachliche Unabhängigkeit und Patientenorientierung ein brennendes Thema sind und die Werte der Freiberuflichkeit auch jüngere Ärztinnen und Ärzte bewegen! Auch die vorher stattfindende Diskussionsrunde mit den gesundheitspolitischen Sprechern der Parteien zum Thema Gesundheitswirtschaft und eine stabile medizinische Versorgung weckten zahlreiches Interesse.